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Das Robin-Hood-Syndrom: Warum Hollywood nur eine einzige Geschichte kennt

Haben Sie sich jemals gefragt, warum wir uns im Kino so wohlfühlen, egal ob der Held eine Laserpistole, ein magisches Schwert oder Pfeil und Bogen trägt? Die Antwort ist ernüchternd und faszinierend zugleich: Weil wir die Geschichte schon kennen. Seit der Antike.

Ob es der Kampf um den Planeten Krull, die Odyssee in Star Wars oder die Suche nach dem Goldenen Kind ist – hinter der Fassade aus CGI und Plastik-Rüstungen verbirgt sich das immer gleiche Skelett.

Der Monomythos: Joseph Campbell lässt grüßen

Der Mythologe Joseph Campbell hat das bereits in seinem Werk „Der Heros in tausend Gestalten“ seziert. Er prägte den Begriff des Monomythos. Seine Erkenntnis: Jede große Geschichte folgt der „Heldenreise“.

  1. Der Ruf: Der Held (oft ein Niemand wie Luke Skywalker oder ein verarmter Adliger wie Robin Hood) lebt in seiner „gewöhnlichen Welt“. Dann passiert etwas – die Prinzessin wird entführt (Krull), die Eltern werden ermordet oder das Schicksal der Welt steht auf dem Spiel.
  2. Der Mentor: Es taucht immer ein alter, weiser Mann auf (Obi-Wan Kenobi, Gandalf oder der weise Greis in Krull), der dem Helden erklärt, dass er „der Auserwählte“ ist.
  3. Die Prüfung: Der Held muss Gefährten sammeln (die „Merry Men“ von Robin Hood oder die bunt zusammengewürfelte Truppe in Krull), Prüfungen bestehen und am Ende in die „innerste Höhle“ vordringen.

Robin Hood als universelle Blaupause

Robin Hood ist die Urform des sozialen Rebellen. Aber was hat er mit Aschenputtel oder Krull zu tun? Ganz einfach: Es ist das Motiv der Wiederherstellung der Ordnung.

  • Robin Hood nimmt den Reichen, um den Armen zu geben – er repariert ein kaputtes System.
  • Aschenputtel ist die rechtmäßige Erbin, die im Dreck lebt und durch magische Hilfe (Mentor/Gute Fee) ihren Platz auf dem Thron einnimmt.
  • Colwyn in Krull verliert sein Königreich an „Das Ungeheuer“ und muss durch die Wildnis ziehen, um die rechtmäßige Ordnung wiederherzustellen.

Es ist immer das Besingen eines verlorenen Paradieses, das durch einen „reinen“ Helden zurückerobert werden muss.

Die „Auserwählten“-Falle: Warum wir das fressen

Warum schauen wir uns das immer wieder an? Hier kommen wir zur psychologischen Komponente. Diese Geschichten bedienen unseren tiefsten Wunsch nach Bedeutung.

Genau wie der Dorf-DJ in seiner Pose oder das Männerballett auf der Bühne, sehnt sich der Mensch danach, „besonders“ zu sein. Der Monomythos suggeriert uns: „Egal wie prekär dein IST-Zustand ist (siehe die frühen Beatles), du könntest der Auserwählte sein.“ Die Filmindustrie nutzt dieses Muster als psychologisches Opium. Sie liefert uns die Lösung, die wir im echten Leben nicht haben. Während wir bei den Beatles noch das Jammern ohne Lösung kritisiert haben, liefert Hollywood die Lösung – aber sie ist rein fantastisch und damit folgenlos.

Die Erkenntnis: Ein schöner Schein ohne Evolution

Wenn man das Muster einmal erkannt hat, verlieren Filme wie Kampf der Titanen oder Star Wars ihren mystischen Zauber. Es ist wie bei der Software: Die Grafik (das GUI) wird immer aufwendiger, aber der Kern-Code (die Geschichte) stammt aus der Bronzezeit und wurde nie aktualisiert.

Wir stecken in einer narrativen Sackgasse. Wir feiern seit 2000 Jahren denselben Typen, der das Schwert aus dem Stein zieht, nur dass der Stein heute mal ein Computerterminal oder ein außerirdischer Berg ist.

Was ist die Moral von der Geschicht? Vielleicht sollten wir aufhören, nach dem „Goldenen Kind“ oder dem „Glaive“ zu suchen, und anfangen zu akzeptieren, dass die wirkliche Kreativität dort beginnt, wo die Schablone aufhört. Aber das würde ja bedeuten, dass wir uns nicht mehr auf die alten Mythen verlassen können – und das wäre für die meisten Menschen so beängstigend wie ein leeres Blatt Papier.