Egal wie groß das Budget ist oder wie aufwendig die CGI-Effekte – die Kernstruktur bleibt so simpel und repetitiv wie ein Schlager-Refrain. Das Muster lässt sich in vier festen Säulen beschreiben:
1. Der illegitime Tyrann (Der Sheriff von Nottingham im Weltraum)
Ob es der Imperator (Star Wars), Sauron (Herr der Ringe) oder das „Biermonster“ in Krull ist – es gibt immer einen übermächtigen, meist hässlichen Herrscher, der dem Volk die Ressourcen (Land, Freiheit, Steuern, Lebensenergie) entzieht. Er ist die Verkörperung des „Systems“, gegen das der kleine Mann keine Chance zu haben scheint.
2. Der „Outlaw“ wider Willen (Der Gejagte)
Der Held ist zu Beginn oft ein Ausgestoßener oder jemand, der durch den Tyrannen alles verloren hat.
- Prince Colwyn (Krull): Sein Königreich zerstört, seine Braut entführt – er wird zum Flüchtling.
- Luke Skywalker: Farm verbrannt, Onkel tot – ab in den Untergrund. Das ist die klassische Robin-Hood-Initiation: Du musst erst alles verlieren, um zum Symbol des Widerstands zu werden.
3. Die „Merry Men“ (Die bunte Truppe der Spezialisten)
Robin Hood hatte Little John und Bruder Tuck.
- In Krull ist es die Bande von entflohenen Sträflingen (die „Besseren“, die das System als kriminell abgestempelt hat).
- In Star Wars sind es Schmuggler und Wookies.
- In Herr der Ringe ist es die Gefährten-Truppe. Dieses Muster bedient die Sehnsucht nach einer „Wahlfamilie“. Es ist die Romantisierung des Prekariats: Eine Gruppe von Außenseitern, die zusammenhält, während die offizielle Armee des Tyrannen nur aus seelenlosen Drohnen oder Orks besteht.
4. Die Umverteilung der Macht
Der Kern von Robin Hood ist „Nimm es den Reichen und gib es den Armen“. In der Fantasy wird das nur metaphorisch aufgeladen: Man nimmt dem Tyrannen die Macht (oder den Ring, oder die Prinzessin) und gibt der Welt die Ordnung zurück. Es ist die moralische Rechtfertigung für Gewalt – genau wie Robin Hood ist der Held ein „guter Krimineller“.
Warum funktioniert dieses Muster immer wieder?
Es ist das ultimative Eskapismus-Werkzeug. Es bedient die tief sitzende Frustration über den „prekären IST-Zustand“, den wir schon bei den Beatles besprochen haben.
- Der Clou: Während die Menschen im echten Leben (im Karneval oder vor dem E-Mail-Programm) passiv bleiben und sich mit Posen begnügen, liefert das Robin-Hood-Muster in Filmen die Illusion einer Lösung.
- Die bittere Wahrheit: Der Zuschauer identifiziert sich mit dem Rebellen, geht nach dem Film aber brav wieder zur Arbeit, um die Steuern für seinen eigenen Sheriff von Nottingham zu erwirtschaften.
Fazit: Das Recycling der Mythen
Filme wie Krull oder Star Wars sind im Grunde nur mittelalterliche Balladen mit mehr Neonlicht. Es ist eine intellektuelle Sackgasse, weil keine neue Art des Zusammenlebens entworfen wird. Am Ende wird meist nur ein „guter König“ (oder Präsident) gegen einen „bösen“ ausgetauscht. Die Struktur bleibt gleich.
